Sizilianisches Lexikon - Von Ragusa bis Randazzo

Sizilianisches Lexikon, für die Reise und den Wissensdurst

Ragusa. Provinzhauptstadt 92 km von Siracusa (Syrakus) entfernt 64.500 Einw. 502 m ü.M.
Es war von den Sikulern bewohnt, und hieß Hibla Haerea (vom Neolithikum bis zur Bronzezeit Anfang 18. Jh. v. Chr.) Später kamen die Griechen, die hier ihre Geschäfte abwickelten und hellenisierten langsam aber sicher die ganze Gegend. In der Nähe entstand Camarina (Kamarina), das von den Syrakusern 598 v. Chr. gegründet und ein vorherrschender Mittelpunkt wurde. Als Camarina unterging, wurde die Ortschaft Ragusa der zentrale Punkt der Monti Iblei.
Es erlitt die Besatzung der Römer und ihren politischen Einfluß, und breitet sich über drei durch zwei Schluchten getrennte Anhöhen aus. Das älteste Viertel, wo einst der protohistorische Mensch lebte, heißt noch heute Iblea.
Ragusa wurde 1693 vom Erdbeben zerstört und seine Vergangenheit, arabische und mittelalterliche Spuren inbegriffen, blieben unter der Erde begraben. Es stand im Baustil des 17. Jh. wieder auf, während das Viertel Ibela auf der Anhöhe seine Stadtform und seine mittelalterliche barocke Gestalt behielt. Mit seinen Funden, erzählt das archäologisch-ibleische Museum, das sich im Gebäude des Hotels Mediterraneo im Zentrum der Stadt befindet, diese tausendjährige Geschichte. Die Fundstücke sind in topographischer und chronologischer Reihenfolge ausgestellt, so wird es einfach für den Besucher, die Geschichte der Gegend von Ragusa und die Entwicklung der menschlichen Ansiedlung vom hohen Paläolithikum bis zum Christentum zu verfolgen. Das Museum von Ragusa ist in sechs Abteilungen aufgeteilt. Die erste ist mit örtlichen Funden aus der Prähistorie angereichert; die zweite mit Ausgrabungen von Camarina (Kamarina); die dritte besteht aus Kulturzeugnissen der sikulischen Einwohner; die vierte beherbergt Fundmaterial aus den hellenistischen Gegenden; die fünfte aus römischen und spätrömischen Ansiedlunqen; die sechste bietet nicht genau definierbares Material aus Schenkungen, Beschlaqnahmungen, Grabschändungen, Ankäufe, Photos, planimetrische Mappen und Vorschläge bereichern das Museum.
Durch die, in der nahen Umgebung und über die ibleische Zone verstreuten Nekropolen und teilweise dank der geborgenen Manifakturwaren konnte man die Kulturentwicklung zurückverfolgen. Interessant ist in diesem Sinne, der Wiederaufbau des Brennofens von Scornavacche (4. Jh. v. Chr.) und das System der Bestattungsstätten in Camarina und dem Wohnviertel Rito.
Dieses bedeutende Zentrum in der Umgebung der Stadt hat Funde aus der archaischen und paleochristlichen Zeit ans Licht gebracht. Bemerkenswert ist auch das archäologische Material aus Caucana, dessen Ruinen (4.-7. v. Chr.) sich an der Küste, in der Nähe von Punta Secca - Zone von Camarina befinden. Hier lag der Hafen, von dem der byzantinische General Belisar 535 n. Chr. startete, um die Wandalen in Afrika zu bekämpfen.
Sichtbar sind die Reste von 25 Gebäuden und einer Bestattungakirche mit drei Kirchenaschiffen. Aber kommen wir zur Stadt zurück; weniger als 3 km von der Provinzhauptstadt entfernt, an der südliche Seite der Peripherie kann man den archäologischen Park von Tabuna besichtigen mit einer kleinen Latomia, in der sich paleochristliche Grabstätten befinden. Im Ippari Tal (Raguser Fluß) kamen viele interessante Manufakturwaren zum Vorschein. Ein bezeichnendes Beispiel befindet sich im Viertel Castiglione, ca. 7 km nordwestlich der Stadt gelegen; es handelt sich um einen Ort des 1800-1400 Jh. v. Chr. (Kultur von Castelluccio). Das Wohnzentrum besteht aus Hütten und einem runden Silo mit viereckigen Steinblöcken. Die Archäologen haben in sieben Gräbern der Nekropole die Reste von 175 Skeletten gefunden, die verschiedene antropologische Merkmale aufweisen, d. h. daß dort Menschen verschiedener Abstammungen begraben wurden, unter anderem auch von Übersee kommende Menschen, die sich und ihre Kultur mit der der Einheimischen vermischten. Die Funde enthalte einen, als Gegenstand bearbeiteten Knochen mit 25 Kügelchen.

Randazzo ist der dem Ätna am nächsten gelegene Ort (nur 15 Kilometer zum Hauptkrater), wurde auf einem vorgeschichtlichen Lavastrom erbaut, aber bisher noch nie vom Atna beschädigt. Eine Kuriosität sind die drei Kirchen Santa Maria, San Nicolò und San Martino, die früher in jährlichem Wechsel als Pfarrkirche dienten: So regelten die drei Volksgruppen von Randazzo, die lateinisch, griechisch und lombardisch sprachen und jeweils eine Hauptkirche besaßen, ihr Zusammenleben.